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10.06.2016 – 10.07.2016 — während der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich

Jens Heilmann

Die Weltmeisterschaftsbälle

Vernissage: Freitag, 10.06.2016, 19:00 Uhr (Eröffnungsspiel) — der Künstler ist anwesend.

Finissage: Sonntag, 10.07.2016, 15:00 Uhr (Finale)

Öffnungszeiten: Fr 16–20, Sa 16–22, So 14–20

”Das Runde muss ins Eckige”

Oder: die abenteuerliche Suche nach den original gespielten Bällen der Fußballweltmeisterschaften von 1930 bis heute.

Jens Heilmann fotografiert seit 30 Jahren. Nichts hat seitdem so viel Kraft und Begeisterung in ihm geweckt wie dieses Projekt — und das, obwohl er seit den Zeiten von Müller, Maier und Beckenbauer nur selten einen Ball tritt.

Wie die Bälle magisch wurden — die Entstehungsgeschichte

Die Geschichte dieses Projekts ließe sich schildern wie die Odyssee des Dichters Homer. Sie ist zwar nicht ganz so dramatisch verlaufen, die lange Suche des Fotografen Jens Heilmann, doch auch er hat von seinen Reisen wunderbare Geschenke mit nach Hause gebracht: Bälle, die schweben — und leuchten wie Monde in tintenschwarzer Nacht.

Am Anfang war eine kleine Idee: ein Memo-Spiel zu machen, Spielkarten mit Fußbällen darauf. Jens Heilmann ist weniger Fußballfan und viel mehr Künstler. Er ist Fotograf und denkt in Serien von Bildern und in gestalterischen Konzepten. Doch was ihn plötzlich interessierte, in jenem April des Jahres 2007, bei einer Autofahrt nach München, waren Fragen wie: Hatten die Fußbälle der vergangenen Jahrzehnte eigentlich stets dasselbe Design? Unterschiedliche Farben? Wurden sie je aus einer Hand fotografiert? Er konnte sich nicht erinnern. Und wurde neugierig.

Erste Recherchen nach Bällen im Internet zeigten nur miserabel Fotografiertes. Vor allem fanden sich nur wenige Informationen zu den Originalen. Ganz offenbar interessierte sich die Welt beim Fußball lediglich für Tore und Fallrückzieher, für gehaltene Elfmeter und brutale Fouls, für Siegerposen und gestrauchelte Favoriten. Pelé und Beckham, Beckenbauer und Valdano, Rossi und Puskás — sie stehen im Fokus der Fußballalben und Bildergalerien. Nur dieses formschöne Spielgerät, um das sie alle mit Leidenschaft kämpfen, das die Spieler mal liebkosen und mal zornig in den Himmel dreschen, wird einfach ignoriert.

Es war reiner Zufall, wie Heilmann den ersten Ball entdeckte, seinen Testballon: In einer Werkstatt für Gartengeräte sah er eine Kugel mit Werbeaufdruck und fragte, ob er sie ausleihen könne. Er bekam sie geschenkt. Heilmann experimentierte in seinem Studio. Seine Fußbälle sollten magisch wirken: keine harten Ränder, keine dominanten Spiegelungen, keine Schattenseite. Er wusste, die Bälle würden unterschiedlich glänzende Oberflächen haben — und der Hintergrund? Weiß steht schlecht auf Weiß, Farbe wirkt zu aufdringlich. Also: Schwarz.

Logisch, dass die erste Tour zu Adidas führte, nach Herzogenaurach — seit Ewigkeiten versorgt diese Firma die ganze Welt mit Fußbällen. Heilmann fuhr weiter nach Frankfurt am Main, zur Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes, wo der Ball des Finales von 1954 in einem Tresor verwahrt wird. Noch ein Foto. Wie leicht alles ging, und wie faszinierend die ersten Bilder aussahen! Heilmann sah neue Perspektiven: ein exklusives Buch, Ausstellungen. Es war Sommer 2007, und der Fotograf wähnte sich bereits kurz vor dem Ziel — ein großer Irrtum, wie sich zeigen sollte.

Jens Heilmann reiste nach Preston, England, um Bälle der Weltmeisterschaften 1930 und 1966 abzulichten. Er schrieb Verbände an, Firmen, Museen, immer auf der Suche nach originalen Bällen, mit denen bei Weltmeisterschaften gespielt worden war. Er schickte E-Mails rund um den Globus, bat um Genehmigungen zu fotografieren, fragte nach Wegen, die ein Ball genommen haben könnte. Alles, was in der Kunst so leicht aussieht, ist Resultat mühsamer Plackerei.